Sankt - Georgen - Hospital 

Bernau hatte drei Hospitäler, jedes mit einer eigenen Kapelle: vor dem  Mühlentor das St.-Georgen-Hospital von 1328, vor dem Steintor das St.-Gertrauden-Hospital von 1482/85 und innerhalb der Stadt unmittelbar am Steintor das Hospital zum Heiligen Geist. Die beiden letztgenannten sind eingegangen. Bis in die Zeit des 30jährigen Krieges wurden diese noch belegt. 

St. Georgen Hospital
Das St.-Georgen-Hospital:
Vor der Stadt, hinter dem Mühlentor befindet sich das St.-Georgen-Hospital. Es wurde ursprünglich als Krankenhaus gestiftet. Durch die Kreuzzüge wurden ansteckende Krankheiten wie der Aussatz nach Deutschland eingeschleppt. Um der Ansteckungsgefahr vorzubeugen, wurden im Allgemeinen die Siechenhäuser nach Außen verlagert. Wenn die Zeiten unruhig waren, wurden die Insassen in die Stadt hereingenommen. Noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ging jede Woche die Spittelmagd (Korbmagd) in die Stadt herum und sammelte für die Bewohner des Hospitales Lebensmittel und Geld.

St. Georgen Hospital

Die Stiftung von 1328 ist ein Ausdruck der wirtschaftlichen und politischen Selbständigkeit der Stadt Bernau. Sie spiegelt die wirtschaftliche Kraft der Bernauer Gewandtschneider- und Wollwebergilde wieder. Das Hospital wurde mit großzügigen Stiftungen im Verlaufe der Zeit bedacht. So zum Beispiel mit den Gefällen von Ützdorf mit allem Zubehör und anderen Ländereien.

Das jetzige Hospitalgebäude stammt aus dem Jahre 1738, die Kapelle, ein einschiffiger, zweijochig gewölbter gotischer Backsteinbau, stammt aus dem 15. Jahrhundert. Nach einigen Reperaturen erhielt die Kapelle 1872 ihre heutige, entgültige Form.

 

St. Georgen Hospital

1466 bestimmte die Gilde der Wollweber und Gewandschneider, daß "nur eine in ihrer Gilde oder in ihrem Gewerke geborene Person Priester bei der St.Georgen-Capelle werden und die Einkünfte derselben erheben kann, dafür aber verpflichtet sein soll, des Sonntags die Messe zu bestellen, Wasser und Salz zu segnen ... und in Bernau zu wohnen".
Im Jahre 1432 wurden Kapelle und Hospital von den Hussiten zerstört, davon zeugt eine Gedächnistafel im Innern der Kapelle. Die Kapelle erinnert auch an den Zuzug und die gastliche Aufnahme der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. Am 16. März 1699 wurden durch eine Verfügung des Kurfürsten Friedrich III. 25 Familien mit 87 Personen in Bernau untergebracht. Es waren Handwerker und Bauern. 1883 sind es immernoch 20 Familien gewesen. Die Hugenotten waren Reformierte mit eigenem Gottesdienst, den sie in der Georgenkapelle abhielten. Zuweilen finden in der Kapelle noch heute Andachten statt.