Der Schwarze Adler
Das Haus des Hotels "Schwarzer Adler" erweckt durch seine Innschrift und seine Innenausstattung besonderes Interesse. Das Innere enthält noch unversehrt den Bestand zweier spätgotischer Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die durch einen Zwischenbau verbunden, nach der Überlieferung den Sitz der Kalands gebildet haben. In der Osthälfte ist ein durch die ganze Tiefe des Hauses sich erstreckender Saal, im hinteren Hausteil ein Sterngwölbe, dessen Rippen schlicht in die Wand verlaufen, im Vorderteil, durch einen starken Gurtbogen getrennt, ein Netzgewölbe, dessen Birnstabrippen auf Kopfkonsolen (Männermasken) ruhen. In der westlichen Haushälfte liegt ein zweiter Saal, in zwei Jochen mit einem einheitlichen schönen Sterngewölbe überzogen, dessen Birnstabrippen auf großen Konsolen aufsetzen. Ein stattlicher Bau der Kalands. Im Versammlungssaal der Kalands sind in den Rosetten der oben zusammenlaufenden Gewölberippen noch kleine Wappenschilder zu sehen, die die Hausmarken der Ratsgeschlechter Werwyck und Henze zeigen.
 
Schwarzer Adler
Der Kaland
Der Kaland war eine Vereinigung von mächtigen Leuten der Stadt. Daraus ergibt sich, daß es sich nicht um einen Mönchsorden handelt. Es war eine karitative religöse Bruderschaft der oberen Schicht des Bürgerstandes. Probst, Archidiakon und Diakon (das waren die drei Pfarrherren) nebst wohlhabenden Bürgern und Bürgerfrauen kamen am Monatsersten, dem Kalandsersten, zusammen, um sich einem wohltätigen Werk hinzugeben. Die Feierlichkeiten begannen in der Kirche mit der Abhaltung der Vigilien und Selenmessen und einer Prozession. Zu Ostern wurde das symbolische Fußwaschen von Greisen und Greisinnen der Armen begonnen und mit einer Brotverteilung abgeschlossen. Ein besonderer Font diente zur Beerdigung armer Leute. Nach ihrem Werk der Wohltätigkeit kam man im Hause der Kalandsbrüder zu einer Kapitelsitzung mit einem beendenden Festmahl  zusammen.

Der Kaland verfügte über umfangreiche Stiftungen. Zwei Altäre in der Kirche gehörten auch den Kalandsbrüdern. Selbst Pfandgeschäfte wurden abgehalten und umgesetzt in flüssige Kapitalien. Der Kaland hatte eine Verbreitung über ganz Europa von Frankreich bis hin nach Ungarn. Mit der Reformation begann der Kampf gegen die Bruderschaft. Erst Recht, weil der Kaland sich auf Grunde seines Reichtums immer mehr von seinen eigentlichen  Aufgaben zur Armenpflege abwand und die guten Gaben in einem hemmungslosen Wohlleben verschwendete. Bei den Mahlen "trank man sich kräftig zu". Der Rat verbot den Bürgern später Abgaben zu entrichten. Die Vereinigung löste sich auf und das Vermögen wurde der Kirchenkasse übereignet.